IRONMAN HAMBURG 2022 – Photo: Ingo Kutsche
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IRONMAN HAMBURG 2022 – Platz 6 (Pro) bei den European Championships

In diesem Jahr fand der IRONMAN Hamburg zu einem deutlich früheren Termin statt als in den vergangenen Jahren. Ein Grund dafür ist das oft in den warmen Sommermonaten auftretende Problem mit den Blaualgen in der Alster. Zum Triathlon gehört eben auch das Schwimmen und wenn dies aufgrund zu schlechter Wasserqualität nicht stattfinden kann, ist damit keiner so wirklich glücklich. Nach meinem aufregenden tollen Trip zum Azoren-Triathlon, weiter zu einem kurzen Trainingsaufenthalt in Granada (Sierra Nevada), um dann weiterzureisen zum IRONMAN 70.3 Marbella, blieb mir zuhause nur eine kurze Verschnaufpause, bis es zum IRONMAN Hamburg ging. Die zwei Mitteldistanzen und die Langdistanz lagen jeweils nur zwei Wochen auseinander. Auf der einen Seite sammelt man Wettkampfroutine, auf der anderen Seite können die Rennen einen mental auch etwas ausbrennen und man fühlt sich vielleicht noch nicht bereit, um sich voll und ganz einer neuen Herausforderung zu stellen, besonders einer so großen wie 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und einem 42,2 km langen Marathonlauf. Mein Training verlief in den letzten intensiveren Vorbereitungstagen vor dem IRONMAN Hamburg jedoch vielversprechend und ich verspürte eine verhältnismäßig große Anspannung. Ja, ich war extrem aufgeregt, auch wenn es meine nunmehr 26. Langdistanz war. Im Jahr 2017 war ich bereits in Hamburg am Start. Dort hatte ich ein enttäuschendes Rennen mit reichlich Tränen der Enttäuschung auf der Finishline. Ich ging damals bereits leicht verletzt in das Rennen, in der Hoffnung, dass der Körper schon irgendwie funktionieren würde. Doch genau das Gegenteil trat ein. Meine Probleme wurden immer schlimmer, aber ich finishte. Die Probleme am Sitzbein und in den Hamstrings ärgern mich seit 2017 täglich bis zum heutigen Tag, mal mehr und mal weniger. Nicht jeder Körper ist perfekt für diese Art von Sport gebaut, wir alle haben sehr unterschiedliche Voraussetzungen und Talente. Aber wenn man seine Leidenschaft in einer Sache gefunden hat, tut man automatisch einiges dafür und muss lernen, solche Dinge zu akzeptieren und damit zu leben. Meine letzte Verletzung hat 9 Jahre benötigt, bis ich sie nicht mehr gespürt habe. Eine lange Zeit für ein Menschenleben :-/

Den Donnerstag vor dem Rennen nutzten wir für die Anreise und am Abend stand nur eine kleine Rolleneinheit im Hotelzimmer des Scandic Hotels zum Beine lockern auf dem Plan. Am Freitag Morgen ein kurzer Lauf an der Alster, dann eine letzte Schwimmeinheit, die ich allerdings ohne Wetsuit im Hallenbad absolvierte, weiter zur Registrierung und dann zur Wettkampfbesprechung. Es wurde nicht langweilig. Auf dem Weg zum Abendessen machten wir noch einen kleinen Abstecher zum alten Elbtunnel und dann spürte ich auch, dass ich ab nun vielleicht mal die Beine hochlegen sollte.

“Es ist egal, wie Du die Nacht direkt vor dem Rennen schläfst; Hauptsache, Du schläfst zwei Nächte davor gut.” Wer kennt sie nicht, diese schlauen Sprüche und Empfehlungen. Meine Nacht zwei Tage vor dem Rennen war ziemlich bescheiden. Ich habe tatsächlich vor Aufregung nicht schlafen können, das hatte ich so noch nie. Wer mich kennt, weiß, ich bin kein Freund von Mental-Coaches und stehe diesem ganzen Business sehr skeptisch gegenüber. Doch dies war wieder so ein Moment, in dem ich mir alle Mental-Coaches der Welt zum Händchenhalten an meiner Seite gewünscht hätte. 

Den Samstag nutzte ich noch, um mir die neue Radstrecke anzusehen. Auf dem Teil außerhalb von Hamburg absolvierte ich eine kurze Radeinheit entlang des Deichs. Wow, was für ein Unterschied zur Radstrecke von 2017! Diese Variante (2 Runden) führt zuerst durch die City über die Reeperbahn und über die Elbchaussee, dann hinaus Richtung Osten immer entlang des Deichs. Das obligatorische Tütenpacken und Rad in die Wechselzone bringen stand auch noch bevor, gefolgt von einem frühen Abendessen. Und ich glaube, so früh war ich das letzte Mal im Alter von 6 Jahren im Bett. Dann spielte ich noch ein wenig Mental-Coach und versuchte einfach an alles andere, außer an das bevorstehende Rennen zu denken. Und siehe da: Es funktionierte! Ich konnte tatsächlich schlafen in der gefürchteten Nacht vor dem Rennen. Ich war stolz auf mich. 

Raceday. Der Wecker klingelte um 3:50 Uhr. Was für eine grausame Zeit für einen Langschläfer wie mich! Beim Aufbruch zur Wechselzone, die um 5:00 Uhr öffnete, war es bereits hell, was mir schon mal ungemein half, nicht wieder einzuschlafen. Über der Alster stieg die Sonne empor, eine tolle Atmosphäre. Allerdings hatte ich auch schon eine leise Vorahnung, dass ich bei dieser tief stehenden Sonne die Bojen in der Alster wohl eher mit Echoortung suchen müsste, als sie zu sehen. 6:15 Uhr – für die meisten normalen Menschen eine Zeit, sich an einem Sonntagmorgen noch einmal gemütlich im Bett umzudrehen, für uns IRONMAN die Zeit für den erlösenden Startschuss: Endlich geht es los! Das Wasser in der Alster war deutlich wärmer als erwartet. Nach meinen letzten Schwimmeinheiten hatte ich einen Funken Hoffnung, dass ich einigermaßen würde mitschwimmen können bei meinen Pro-Kolleginnen. Dieser Funken erlosch nach ein paar Metern in der trüben Suppe. Ehe ich mich versah war ich allein auf weiter Flur, was die Orientierung nicht einfacher machte. Auch hier war ich als mein eigener Mental-Coach wieder gefragt. Bleib konzentriert, achte auf Deine Technik, nicht das Tempo schludern. Irgendwann spürte ich einen Schlag auf meinen Fuß. Oh wie schön, ich war doch nicht allein, ich hatte noch eine Mitschwimmerin im Wasserschatten! Nach zu langen 1:02:14 Std. erreichte ich die erste Wechselzone.

Auf dem Rad startete ich etwas defensiv, wie ich später meiner Datenaufzeichnung entnehmen konnte. Grund dafür war vielleicht der Respekt vor der gesamten Länge des Rennens. Ja, eine Langdistanz ist immer noch lang, auch wenn ich dies bereits 25 Mal gemacht habe. Die befürchtete kalte erste Sunde auf dem Rad blieb aus, die Wetterbedingungen waren perfekt. Ja, wir hatten etwas Gegenwind auf Teilen der Strecke, aber dafür hatten wir später auch wieder Rückenwind. Mit 4:51:08 Std. (Ø 37,3 km/h) war ich einigermaßen zufrieden, obwohl ich gedacht hätte, auf diesem flachen Kurs eine etwas schnellere Zeit erzielen zu können. Weiter ging es auf den viermal zu laufenden Rundkurs an der schönen Alster. Die ersten Laufmeter sagen ja noch nicht so viel aus, da sie sich meistens schrecklich anfühlen. Doch kommt man danach ins Rollen?! Ich spürte nach ca. 4 Kilometern, dass ich Mühe hatte, mein angestrebtes Tempo einzuschlagen. Der Puls war ungewöhnlich hoch, ich fühlte mich unwohl und musste das Tempo etwas meinem Befinden anpassen. Dieser Zustand wurde leider von Kilometer zu Kilometer schlimmer. Auch meine zuvor angesprochene Dauer-Verletzung machte sich verstärkt bemerkbar und es waren neben der üblichen Erschöpfung auch orthopädische Probleme, die ein schnelleres Laufen verhinderten. Als mich dann Laura Phillip in einem gigantischen Tempo überholte, blieb mir nichts anderes übrig, als sie anzufeuern und ihr den nötigen Respekt zu zollen. “Das erste was ich mache, wenn ich ins Ziel komme, ist, mir Deine neuen Socken zu kaufen!” (Anmerkung: Laura hat ihre eigene Sockenkollektion von Incylence auf der Messe gelauncht!) konnte ich ihr soeben noch zurufen, bevor sie in einer Staubwolke am Horizont verschwand. Ich hoffe, ich konnte sie damit etwas aufmuntern. Wenn nicht damit, dann mit dem Fact, dass ihre Socken-Kollektion bereits ausverkauft war, als ich das Ziel erreichte. Meine Fähigkeiten als mein eigener Mental-Coach waren nun wieder gefragt, doch ehrlich gesagt hatte ich einfach keinen Bock mehr. Die dritte Runde war schon Quälerei, die vierte Runde einfach nur ätzend. Was mich dann noch aufrecht und am Laufen hielt, waren eher die Aussichten auf eine kühles Bier im Ziel und natürlich die lieben Menschen und mir bekannten Gesichter an der Strecke. Allen voran Uli, Beate und Helmut sowie meine Mama. Lieben Dank für Euren unermüdlichen Einsatz! Meine Position auf Platz 6 (Pro) wurde zum Ende noch einmal etwas gefährdet und meine Supporter litten mental wahrscheinlich mehr als ich. Ins Ziel rettete ich dann etwas über eine Minute vor der Siebtplatzierten. Mit einer Marathon-Zeit von 3:31:24 Std. machte ich mich selbst nicht glücklich. Der Zieleinlauf auf dem Rathausplatz ist einfach gigantisch und obwohl ich nun schon öfter in Hamburg war, hatte es bisher noch nicht gefunkt zwischen der Hansestadt und mir. Doch dieses Wochenende hat so einiges verändert: Ich habe festgestellt, Hamburg kann auch schönes Wetter; ich bin zum ersten Mal E-Scooter gefahren und es gibt unendlich viel zu entdecken in der Stadt mit den weltweit meisten Brücken. Uuuund ich kann nun unisono mit Heidi Kabel “In Hamburg sagt man Tschüss” singen (ganz zum Leid von Uli)!

Tschüüühüüüss, Hamburg!

  1. Laura Phillip 8:18:20 Std.
  2. Chelsea Sodaro 8:36:42 Std.
  3. Manon Genet 8:52:02 Std.
  4. Heini Hartikainen 8:56:31 Std.
  5. Chantal Sainter 9:01:50 Std.
    (Henrike Güber 9:08:07 Std.)
    (Carolin Schaffert 9:29:29 Std.)
  6. Verena Walter 9:33:09 Std.